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Pfarrer Thomas Eschenbacher – Faschingspredigt in Obereschenbach und Hammelburg

3. März 2019
Obereschenbach und Hammelburg
Zum 8. Sonntag im Jahreskreis C
Lesung: Sirach 27,4-7
Evangelium: Lukas 6,39-45


Mehr herzen!

Ihr Schwestern, Brüder, Kinder alle,
ich predig' heut in jedem Falle
nur in Reimen, damit ihr hört,
worauf in Zukunft jeder schwört.

Es braucht nicht Beten, frommes Tun
und viel soziales Heldentum.
Es braucht nicht Geld aus vielen Spenden,
auch sollten wir nicht Müh' verschwenden,
zu glauben, dass man heilig ist,
wenn man sich selbst zu sehr vergisst.
Auch rette ich die Kirche nicht,
wenn treffend' Predigt aus mir spricht.
Und selbst wenn Sonntagskirch' ist voll,
auch das ist dann noch lang nicht toll.

Die Zukunft ist nicht kompliziert,
wenn man den Menschen recht studiert.

Es braucht die Kirche selbst kein Scherzen.
Wir müssen uns nur einfach herzen.
Drum drücke jeder, wenn er's kann,
ganz einfach seinen Nebenmann.
Und ja, wir nehmen's ganz genau:
gerne auch die Nebenfrau!

Tja, kann es sein, das ist zu schwer?
Mögen wir das doch nicht sehr,
dass einfach jemand mich umarmt
und mich so herzlich fast umgarnt?
Grad eben hat der noch gehustet.
Wenn der Bazillen zu mir pustet!?
Oder gibt es ein Problem,
weil ich grad neben der muss stehn?
Vielleicht will ich auch bloß mei' Ruh'
und hab kein Bock auf des Getu'?
Umarmen tu ich, so weit wenn's kommt,
am End' den blöden Nachbarn prompt,
der mich dähemm seit Jahren nervt,
mit dem da funkt's scho' lang verschärft.
Und überhaupt des Angetatsch',
des is doch alle blöder Quatsch.

Doch was gibt Überzeugungskraft,
dass Kirche auch die Zukunft schafft?
Wenn wir Gemeinde sind von Herzen
und können es auch mal verschmerzen,
dass selbst wenn keiner ist perfekt
und mancher von uns mal aneckt.

Das alles kann man leicht verschmerzen.
Wir müssen uns nur einfach herzen.
Drum drücke jeder, wenn er's kann,
ganz einfach seinen Nebenmann.
Und ja, wir nehmen's ganz genau:
gerne auch die Nebenfrau!

Ach ja, die Schwächen sieht man gut –
weil selber man nichts Böses tut –
vor allem immer bei den andern;
die Fehler dort zuerst tun landen.
Viel schwerer ist's im eig'nen Auge
zu seh'n, wie schwankend ist der Glaube.
Dass ich allein mach alles richtig,
die Überzeugung ist nur flüchtig.
Es tut mir gut, genau zu wissen,
dass Kirch'gehn ist kein Ruhekissen.
Ich bin halt doch nicht so perfekt;
so manches ist an mir defekt.

Mein Gott, du kennst mich schon so lang,
und deshalb ist mir auch nicht bang.
Ich weiß, du liebst mich wie ich bin;
Vergebung hast du stets im Sinn.
Du ziehst mich einfach an dein Herz
und bringst mich damit himmelwärts.
Wenn ich mit mir drum gnädig bin,
dann macht das dann am End' auch Sinn,
dass wir als christliche Gemeinde
sogar noch lieben unsre Feinde.

Drum braucht man sich nicht auszumerzen.
Wir müssen uns nur einfach herzen.
Drum drücke jeder, wenn er's kann,
ganz einfach seinen Nebenmann.
Und ja, wir nehmen's ganz genau:
gerne auch die Nebenfrau!

Doch was fehlt denen, die mal eben
mit Gründen aus der Kirch' austreten?
Beim einen liegt's vielleicht am Geld,
beim andern, weil was nicht gefällt,
der nächste glaubt halt nicht an Gott
und hält das alles nur für Schrott.
Die Austrittszahlen werden höher.
Für manche scheint es wohl viel schöner,
sich Kirchensteuern zu ersparen.
Doch wird sich auch noch offenbaren,
dass Kirche menschelt ganz gewiss.
Für viele ist's ein Ärgernis,
Wenn hoher Anspruch einerseits
trifft manchmal auf Verlogenheit.
Drum hilft das laute Klagen nicht,
sonst macht am End' die Kirche dicht.

In Ausreden darf man nicht flüchten;
den Baum erkennt man an den Früchten.
Heut' braucht die Kirch' Erneuerung
von oben und von unten rum.
Damit die Frucht wird wieder gut,
braucht jeder dazu seinen Mut,
weil Schwestern, Brüder alle sind;
durch Taufe sind wir Gottes Kind.
Wenn wir als Kirche überzeugen,
dann können wir auch wieder leuchten.

Heut bläst noch keiner aus die Kerzen.
Wir müssen uns nur einfach herzen.
Drum drücke jeder, wenn er's kann,
ganz einfach seinen Nebenmann.
Und ja, wir nehmen's ganz genau:
gerne auch die Nebenfrau!

Bescheidenheit ist eine Zier
im Gegensatz zur menschlich' Gier.
Bescheidenheit ist angesagt,
wenn heut' die Kirch' wird angeklagt,
weil man sich selbst für besser hält,
weil man ja glaubt und Gott gefällt,
und zeigt mit Zeigefinger gern
auf Menschen, die sind kirchenfern.

Schütteln wir manchmal nicht den Kopf,
wenn bei uns mancher arme Tropf
nicht weiß, wie man in Liturgie
sich stellt und wann geht in die Knie.
Da denkt sich dann der fromme Christ:
„Seit Jahren ward der hier vermisst.
Jetzt ist er einmal wieder da,
kennt sich net aus; des war ja klar!"
Und selbstzufrieden schaut von hinten –
am besten aus der letzten Bank –
der Profi, der stets ist zu finden
hier jeden Sonntag, Gott sei Dank!

Doch wär's nicht besser, wenn's gelingt,
der Kirchenprofi sich geschwind
sich setzt zu dem, der's nicht so weiß.
Ist das nicht dann, was Gott uns heißt?
Denn Blinde können sich nicht führen;
das sollten Sehende doch ganz leicht spüren!
Doch Vorsicht: Wer sich sehend fühlt
und sich dabei selbst überführt,
der achte drauf und klopf auf Holz,
dass nicht die Demut ist sein Stolz.
Ohne Hochwürden und Exzellenzen
seh'n wir gelassen unsre Grenzen.
Nicht Leistung macht das Christsein aus;
Barmherzigkeit macht den Applaus!

So weiß es jeder einzuschätzen.
Wir müssen uns nur einfach herzen.
Drum drücke jeder, wenn er's kann,
ganz einfach seinen Nebenmann.
Und ja, wir nehmen's ganz genau:
gerne auch die Nebenfrau!

Doch Gott, der schenkt uns sein Erbarmen,
will nicht, dass wir uns nur umarmen.
Das Wort, das aus dem Mund uns dringt
und zeigt, was in uns ungeschminkt
nach außen dringt, als Wort gesprochen,
das hat schon mal ins Herz getroffen.
Wenn wir einander Gutes wollen,
dann wird das Schlechte sich schnell trollen.
Drum braucht das Christsein unser Herz;
das ist nun wirklich gar kein Scherz!
Nicht sturer Ernst, Moral im Finger ...
So wird Kirche höchstens schlimmer.
Aus dem Herzen kommt die Freude.
Gute Laune braucht es heute.
Den Baum erkennt man an den Früchten,
nicht Arroganz und den Selbstsüchten.

Gemeinde lebt, hängt nicht in Fetzen;
wir müssen uns nur einfach herzen.
Drum drücke jeder, wenn er's kann,
ganz einfach seinen Nebenmann.
Und ja, wir nehmen's ganz genau:
gerne auch die Nebenfrau!

Und heute sag ich drum ganz schlau
statt „Amen" zu euch nur „Helau"!


Pfarrer Thomas Eschenbacher

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