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Pfarrgemeinderat braucht frisches Blut

Bericht von Barbara Oschmann über die Situation in St. Johannes und ein Appell von Pfarrer Müssig

„Kopflos“ ist derzeit der Pfarrgemeinderat der katholischen Pfarrgemeinde St. Johannes in Hammelburg. Vorsitzende Beate Ritter-Schilling hatte bei der Wahl 2010 den Vorsitz von vorneherein nur für zwei Jahre übernommen und ist nun aus gesundheitlichen Gründen ganz aus dem Gremium ausgeschieden.

„Ich bedaure, aber akzeptiere diesen Schritt“, sagte Pfarrer Christian Müssig im Patroziniumsgottesdienst am 24. Juni 2012. In seiner Predigt wandte er sich gezielt an die Hammelburger Gemeinde, die „bewegte Zeiten hinter und vor sich“ habe. Er stellte die Frage, wie die Zukunft der Gemeinde aussehen solle in dieser Zeit der Brüche und Umbrüche.

Im aktuellen Pfarrgemeinderat findet sich aus unterschiedlichen Gründen niemand, der die Nachfolge der Vorsitzenden antreten könnte. Zusammen mit Schriftführerin Eleonore Hose führt Pfarrer Müssig derzeit die Geschäfte. Nun stelle sich die Frage, wie man mit dieser Situation umgehen solle. „Es gibt kein Rescue-Team, das aus Würzburg eingeflogen wird“, meinte der Pfarrer.

Da weitere Mitglieder ihr Mandat derzeit ruhen lassen, richtete er einen eindringlichen Appell an die ganze Gemeinde: Ausschau zu halten nach Personen, die ein Mandat übernehmen könnten für den Rest der Legislaturperiode von nicht mehr ganz zwei Jahren. Wünschenswert wäre ein Gremium, das einen Querschnitt durch die Gemeinde darstellt und das in der Lage ist, Entscheidungen für das Gemeindeleben zu treffen.

Der Pfarrer kann es allein nicht schaffen

„Ich bitte um Ihre Mithilfe, Mitsorge und auch um Ihr Gebet“, sagte Müssig. „Der Pfarrer kann es in einer Pfarrei mit Pfarreiengemeinschaft dieser Größe nicht allein schaffen.“ Jede Mithilfe sei willkommen, „ob mit, trotz oder für den Pfarrer“ sei dabei unwesentlich. Die Nachfolge Jesu sei das Zentrale – und eine Gemeinde, die „ein weites Dach anbietet, wo Menschen sich unterstellen können“. Pfarrer Müssig dankte für alles Engagement in den vergangenen zwei Jahren, besonders auch der bisherigen Vorsitzenden Ritter-Schilling – einstweilen in Abwesenheit, weil sie sich gerade auf einer Kur befindet.

Dass das Sommerfest zum Patrozinium der Hammelburger Pfarrgemeinde unter diesen schwierigen Umständen überhaupt stattfinden konnte, ist der Kooperation verschiedener Gruppen der Pfarrgemeinde St. Johannes zu verdanken. Die 250 Besucher fanden eine breite Palette von Angeboten vor: Mittagessen, zubereitet von den Ministranten, vegetarische Köstlichkeiten vom Hammelburger Weltladen, Kaffee und Kuchen vom Seniorenteam, eine Tombola vom Café Hoffnung, eine Spielstraße für Kinder, Live-Musik und manches mehr. Und darüber hinaus vielleicht das Wichtigste für das Gemeindeleben: ein frohes Miteinander.

Barbara Oschmann


Pfarrer Müssig zu den Veränderungen im Pfarrgemeinderat

Aus der Ansprache am 24.06.2012 zum Fest des Namenspatrons unserer Kirche St. Johannes der Täufer

Liebe Gemeinde!

Die Pfarrei St. Johannes hat bewegte Zeiten hinter sich. Und sie hat bewegte Zeiten vor sich.

Ein wichtiges Gremium in diesen Zeiten des Übergangs ist der Pfarrgemeinderat (PGR), den Sie vor gut zwei Jahren gewählt haben. Unsere Vorsitzende, Frau Beate Ritter-Schilling, hat darin das Amt der Vorsitzenden mit einer zeitlichen Befristung von zwei Jahren übernommen und nun ihr Mandat zurückgegeben. Außerdem ist sie aus gesundheitlichen Gründen mit Datum 19.06.2012 aus dem Pfarrgemeinderat ausgeschieden.

Ich danke Frau Beate Ritter-Schilling für das geleistete Engagement im Hammelburger Pfarrgemeinderat und als Vorsitzende des gemeinsamen Ausschusses und sage ein herzliches „Vergelt`s Gott“! Ich bedaure, aber ich akzeptiere diesen Schritt. Gesundheit muss Vorrang haben.

Wie geht es weiter?

Unser Pfarrgemeinderat als gewähltes Laiengremium ist derzeit „kopflos.“ Die Mitvorstände werden aus persönlichen und beruflichen Gründen nicht das Amt des Vorsitzenden übernehmen. Auch andere Mitglieder des PGR müssen aus gesundheitlichen Gründen ihr Mandat ruhen lassen oder nehmen es nur punktuell wahr.

Unsere Schriftführerin Eleonore Hose und ich üben derzeit die Leitung des PGR geschäftsführend aus. Über die Präsenz im gemeinsamen Ausschuss der Pfarreiengemeinschaft oder der Kirchenverwaltung wird von Mal zu Mal entschieden. Eine Außenvertretung findet derzeit nur sehr eingeschränkt oder gar nicht statt.

Unser Ziel muss ein lebendiger Pfarrgemeinderat als beratendes und auch beschließendes Gremium einer Pfarrgemeinde bleiben. Er soll einen Querschnitt der Menschen und Gruppen dieser Gemeinde widerspiegeln. Dafür erbitte ich Ihre Mitsorge, Ihre Mithilfe und Ihr Gebet.

Ich möchte an Sie, die Mitchristen von St. Johannes, den Auftrag weitergeben, nach Personen Ausschau zu halten, die für die Dauer von ca. zwei Jahren für ein Mitwirken im Pfarrgemeinderat ansprechbar sind. Das Instrument der Nachberufung kann dafür einen formalen Rahmen schaffen. Ein „Rumpfgremium“ kann unmöglich die in dieser Stadt präsente Vielfalt an Menschen widerspiegeln. Ein Pfarrer und ein Seelsorgeteam allein wird dies – auch angesichts der Größe der Pfarreiengemeinschaft – noch weniger können.

In dieser erneuten Situation des Übergangs ist es mir persönlich wichtig, dass wir mit Respekt den individuellen Entscheidungen begegnen. Ich verbinde dies noch einmal mit meinem Dank für alles bisher geleistete Engagement in den Gremien, den Gruppen und Kreisen und durch viele Einzelpersonen, die an ihrem Ort das ihnen Mögliche für den Aufbau und den Zusammenhalt unserer Pfarrei St. Johannes leisten.

Ob mit, trotz oder für den Pfarrer ist dabei drittrangig: Es ist das gleiche Evangelium Christi, dem wir uns in der Nachfolge Jesu verpflichtet fühlen und das wir mit unseren bescheidenen menschlichen Kräften hier zum Leuchten bringen wollen. Dazu lade ich Sie ein, und dafür bitte ich unseren Pfarrpatron Johannes den Täufer um seine Fürsprache.

Pfarrer Christian Müssig


Auf dem Weg zu einer Gemeinde, die „ein weites Dach anbietet“

Kommentar von Barbara Oschmann

Die katholische Pfarrgemeinde Hammelburg schleppt einen recht schweren Rucksack mit sich: Prägungen aus früheren Zeiten, Erfahrungen und Enttäuschungen aus jüngerer Vergangenheit. Pfarrer Christian Müssig hat Recht, wenn er die Gemeinde an die Zukunft erinnert. Was ist das Ziel, wohin soll der Weg gehen? Wer die Zukunft in den Blick nehmen will, tut gut daran, seinen (Vergangenheits-)Rucksack gründlich auszumisten, getreu dem Pauluswort: „Prüft alles, das Beste behaltet.“

Mit leichtem Gepäck, den Blick nach vorne, aber auch nach beiden Seiten gerichtet, lässt sich der Weg in die Zukunft beschreiten – hin zu einer Gemeinde, die „ein weites Dach anbietet“.

Barbara Oschmann

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